UM WAS GEHT ES EIGENTLICH ?

Naja, also eigentlich geht es um’s Musik hören. Analog. Also Schallplatten, Tonbänder oder Cassetten mit den Geräten hören, für die sie auch gemacht wurden. Wie oft hat sich in den letzten Jahren die Aufnahme bzw. Abspieltechnik geändert ? Neue Systeme, neue Standards, DAT, WAV, MP3 etc. Einige sind schon wieder vom Markt verschwunden (Minidisc, DAT), andere stehen in den Startlöchern. Anders die Schallplatte. Selbst 70 Jahre alte Aufnahmen kann man heute noch abspielen, auf Geräten die man immer noch kaufen kann. Totgesagte leben länger, auch wenn es vielleicht unbequem ist alle 20 Minuten die Scheibe umzudrehen, oder auf eine staubfreie Plattenoberfläche zu achten.
Da wird der heutigen Generation von der Industrie erklärt wie rückständig und schlecht diese alten Systeme waren, wie anfällig und vom Zerfall bedroht. Digitalisieren sie ihre Schallplatten. Bringen sie ihre Schätze auf CD. Dumm nur, das die gebrannten CD’s jetzt nach 20 Jahren schon wieder die Grätsche machen. Trotz teurer Rohlinge und viel Mühe beim digitalisieren zerfallen diese „geretteten“ Aufnahmen zu Staub. Leider kein Spruch, traurige Wahrheit !
Ihre Schallplatten haben sie hoffentlich noch nicht entsorgt. Die können sie nämlich jetzt wieder hervorholen und anhören. Aber, wenn sie ihren alten Plattenspieler schon verkauft oder ausgemustert haben, achten sie beim Neukauf auf die Gerätequalität. Selbst Hersteller, die eigentlich wissen müssten wie man gute Abspieler baut, haben  anscheinend verlernt was ein gutes Gerät ausmacht. Minimalistisch konstruierte Plastikchassis, Motore mit Laufgeräuschen und Tonarme weit weg von vergangenen Standards. Kaufen sie sich lieber einen alten Abspieler der damaligen Top Marken ohne Neuzeit Schnickschnack. Dann steht einer frischen Schallplattenliebe nichts im Weg.

Ich selbst habe von einigen Monaten einen „Profiturntable“ neuerer chinesischer Produktion eines alten japanischen Herstellers erworben und war erschrocken über das was sich da vor mir abspielte. Lautes Trafobrummen war über die Lautsprecher zu hören, weil das billige Plastikchassis dem schlecht entkoppelten Netztrafo nichts entgegen setzen konnte. Also habe ich den Trafo ausgebaut und das Brummen verstummte. Dafür hörte man jetzt Geräusche des direkt getriebenen Spielers vom Motor. So laut, das diese auch über das Magnetsystem den Weg bis in die Lautsprecher fanden. Nach meinen Recherchen kein Einzelfall. Es wurde ein neuer Motor beim Hersteller bestellt. Zum Verständnis. Wir reden über mechanische Geräusche.
Interessant in dem Zusammenhang ist noch die Tatsache, dass man mir 2 mal falsche Motoren schickte, die zwar auch passten, aber mit falschen Leistungsdaten und den gleichen Geräuschen.  Erstaunlicherweise war das Ersatzteil genau so alt, wie das Original von 2010.

Viele Modelle, alle gleich aussehend mit den Namen diverser Hersteller zeigen die gleichen Symptome. Vermutlich alle aus der gleichen Fabrik in China. Das war in meiner langen Audiozeit das erste Mal, dass ich mechanische Geräusche aus einem Spieler hörte, dessen Motor nicht defekt war. Unglaublich ! Da hilft auch nicht die dicke Metallplatte im Boden des Spielers, 11 Kg. um etwas vorzutäuschen, was die Kiste nun mal nicht hat. Qualität. Auch ein USB Anschluss war eingebaut, den man an einem Plattenspieler nun wirklich nicht braucht. Für ca. € 300,- sollte man schon ein vernünftiges Gerät erwarten können.
Es gibt Neuigkeiten. Gefunden bei You Tube. Das Ende der Motorgeräusche ?

Die Ähnlichkeit mit einer japanischen Spieler Legende ist offensichtlich. Das sind aber leider nur Äußerlichkeiten. Technisch ist man weit vom Original entfernt. Daran ändern auch die positiven Feedbacks auf einigen Internet-Videoplattformen nichts, wo DJ’s den Sehern diese tollen Player als die ultimativen Plattenspieler (sorry „Turntables“) empfehlen. Klar, bei Geräuschen um die 100 Hz Umpf, Umpf, Umpf fallen Motorgeräusche und Trafobrummen nicht auf. Merke: Nichts ersetzt einen Hörtest zu Hause.

Ein Player muss nicht tausende Euro verschlingen um gut zu klingen. Ein guter gebrauchter aus den 70er oder 80er Jahren tut’s auch. Und die sollten nicht mehr als die berühmten 10% vom damaligen (DM) Neupreis kosten. Wer solche Spieler nach 30 oder 40 Jahren Gebrauch (oder Kelleraufenthalt) noch für 300 oder mehr Euro verkaufen will überschätzt eindeutig den Markt. Und wer braucht für zu Hause einen Studio- oder DJ Spieler, der nicht einmal eine Endabschaltung besitzt und die Nadel weiter in der Auslaufrille rotieren lässt, während der Hörende gerade mal auf dem Weg in die Küche oder in den „Weinkeller“ ist um nicht nur seine Ohren zu verwöhnen.

Ein wenig Komfort sollte ein Spieler schon mitbringen. „Back to the Roots“ heißt es anscheinend bei aktuellen Plattenspielermodellen, bei denen eine Geschwindigkeitsumstellung nur per händischem Riemen umlegen möglich ist. What ? Merke: Hautfett oder Schweiß auf einem Antriebsriemen sollten absolut tabu sei, ein völliges NoGo. Aber….heute ist ja alles anders.
Der Motor sitzt als Design Element nicht mehr im sondern am Plattenspieler und zwangsläufig der Riemen auch.
Früher, also ganz früher, in den 70ern  hatte man dafür Umschalter. Egal…..meine Spieler haben das alles.  Ob Manuell, Halb-oder Vollautomat, ans Ende der Rille gehört der Tonarmlift und das klicken des Ausschalters. Es könnte alles so einfach sein.

Und schließlich der Tipp zum Plattenspielerkauf !

Jede Kette ist nur so gut wie das schwächste Glied. Im Fall Plattenspieler/Schallplatte ist wohl die Platte das schwächste Glied. Es gab mal einen Maßstab. Die 180 Gramm LP. Was so schwer war musste gut sein und das stimmte in den meisten Fällen auch.Da rumpelte es ganz wenig. Solche Qualitätspressungen findet man heute mit Sicherheit wieder öfter in den Regalen. Sind noch alte LP’s im Schrank, eventuell Sampler von KTEL oder ARCADE kennt man auch die andere Seite, obwohl in dieser Kategorie auch sehr gute Pressungen unterwegs waren.

Worauf ich hinaus will. Es gibt gute Plattenspieler, Direkttriebler gebraucht aus den 70er oder 80ern zwischen 50 und 150 Euro. Die spielen, vorausgesetzt es ist ein gutes Magnetsystem installiert, die aufgelegten Schallplatten hervorragend ab.

Ein „Masselaufwerk“ teuer und schwer ändert am abspielen der Schallplatte nichts. Der Teller soll sich gleichmäßig drehen. Genauer als bei einem Quarz Direktläufer ist das nicht zu erreichen. Hier ist viel Elektronik im Spiel. Der Antrieb sollte natürlich immer absolut geräuschlos erfolgen.

Reibradantrieb, besonders bei älteren Modellen, findet nicht so unbedingt meine Zustimmung. Hier können Laufgeräusche des Motors übertragen werden. Meistens sind diese Modelle bei den gemessenen Rumpelwerten etwas schlechter als bei anderen Antriebsarten.

Auch ein guter Riemenantrieb ist nicht zu verachten. Meistens werden die Motoren durch eine Elektronik in der Geschwindigkeit geregelt (Servo). Und auch Spieler mit Synchronmotoren ohne aufwendige Motorregelung sind nicht schlechter. Hier sorgt die Netzfrequenz und die Masse des Plattentellers für guten Gleichlauf. Dieses Prinzip hat man auch in Tonbandgeräten eingesetzt (Synchronmotor und schwere Schwungmasse) zb. bei der TEAC 2300 und 3300 Geräteserie. Diese Maschinen gehören heute noch zu den zuverlässigsten Bandmaschinen. Das Zünglein ist immer die Schallplatte. Sie ist und bleibt das schwächste Glied in der Kette. Auch wenn viele Vinyl Experten das anders verkaufen möchten.

Wäre noch der Tonarm zu erwähnen.  Alle Markenhersteller hatten durch die Bank sehr gute Arme am Start. Besonders empfehlen möchte ich Arme mit SME Aufnahme. Diese, an ihrer leichten „S“ Form erkennbaren Abnehmerträger haben den Vorteil komplette, für diesen Tonarmtyp entwickelte Systeme (zb. das Concorde von Ortofon) ohne komplizierte Einstellarbeiten und extra Shell Montage zu übernehmen. Nur die Balance, Gewicht und Antiskating Einstellungen müssen angepasst werden und schon kann man auflegen. Das aufwändige justieren entfällt.
Bei DUAL löste man das Problem mit einer speziellen Shell in die das System gesteckt wurde, was allerdings dann auch nur mit den passenden Magnetsystemen (oder Adaptern) funktioniert.
Ob man den Unterschied zwischen einem mehrere tausend Euro teuren Tonarm oder einem Standardmodell hört vermag ich nicht zu beurteilen.

Bei einem solchen Test in einem Tonstudio konnte ich das jedenfalls nicht hören. Vielleicht bin ich ja „High End resistent“!