KENWOOD KX-4520

Wer heute noch Interesse an Cassetten hat, diese vernünftig über seine Stereoanlage hören möchte und kein Cassetten Deck mehr sein eigen nennt, steht vor der Entscheidung eines aus dem Internet zu kaufen. In irgendeiner Auktion wird wohl ein Gerät angeboten.  Aber welches ist das richtige ?
Cassettendecks, besonders die letzgebauten waren schon sehr weit entwickelt. Im Gegensatz zu den älteren Modellen sind die technischen Daten wesentlich besser.  Trotzdem, mehr als 100 Euro (und das ist schon ein stolzer Preis) sollte so ein Gerät nicht kosten. Es gibt sehr ausgefallene Modelle exotischer Hersteller („Legenden“ !!) deren Ersatzteilbeschaffung äußerst schwierig ist. Meistens werden diese auch sehr teuer angeboten. Und das sind sie nicht wert !

Als kleine Entscheidungshilfe habe ich hier mal mein Kenwood Cassettendeck als Beispiel ausgewählt. Das passt deshalb ganz gut, da ich das Gerät zwecks Riementausch sowieso zerlegen mußte.  Das Gerät gehörte zu den Modellen der oberen Preisklasse (798,-DM), gebaut zwischen 1989 und 1990. Also eines der letzten Decks, bevor die Cassette ihren Rückzug antreten mußte. Dem entsprechend ist auch der Aufbau und die Ausstattung. Das 2 Motorenlaufwerk kommt, bis auf den Riemen des Doppelcapstan Antriebs ohne jegliche Gummis aus. Und dieser Capstanbelt läßt sich sehr leicht und problemlos austauschen. Sonst hat das Deck alle wichtigen Ausstattungsmerkmale die man zur damaligen Zeit von einem Gerät dieser Preisklasse erwartete.
3 Köpfe,  Aufnahme, Wiedergabe und Löschkopf. Hinterbandkontrolle ist also möglich.
Closed Loop Dual Capstan Antrieb (2 Gummiandruckrollen, 2 Capstanwellen) für guten Band Kopf Kontakt und schonenden Bandzug.
Auto BIAS,  automatisches Einmessen des Bandes vor der Aufnahme (wenn gewünscht)
DOLBY B+C, HX Pro, MPX Filter und Timer Funktion für Aufnahme und Wiedergabe. Echtzeitzählwerk.
Regler für Rec. Level, Rec. Balance und Kopfhörer. Vergoldete Buchsen und ganz wichtig: Beleuchtetes Cassettenfach.
Eine IR Fernbedienung gehörte ebenfalls zum Lieferumfang.



Das Laufwerk des KX-4520. Alle Laufwerksfunktionen wurden mit Zahnrädern realisiert, also kein Gummiabrieb und somit auch kein Verschleiß.
Der Antrieb erfolgt über den Capstanmotor. Der 2te Motor übernimmt die Funktion beim Spulen und hilft dem Tonkopfschlitten beim hochfahren.



Ein weiteres Highlight ist der aufgeräumte Innenraum des Decks. Es geht auch Servicefreundlich. Das Laufwerk läßt sich komplett ausbauen. Alle Verbindungen sind gesteckt und leicht zu lösen.
Alle Justageregler im Gerät sind beschriftet und vorbildlich zugänglich. Also mal ein Deck, das man auch noch einmessen könnte, wenn es denn nötig wäre. Einzig die Laufwerksbedienung fordert mich immer wieder aufs neue.
Unlogische Tastaturabfolge beim aufnehmen, wenn man es anders (wie zb. bei Bandmaschinen) gewohnt ist.

Der Preis für dieses Gerät ist im Netz erfreulich moderat. Ab 20 Euro kann man schon glücklicher Besitzer sein, wenn man denn den Riemen selber tauschen kann. Meistens werden die Geräte „ohne Funktion“ verkauft. Ist der Capstanbelt gerissen funktioniert das Deck nicht mehr. Also: Kleine Ursache, große Wirkung.

Bliebe noch zu erwähnen, daß ich nach der Instandsetzung den Drang verspürte mal nach den alten Cassetten zu schauen, die seit 1992 ihr Dasein im Abstellkämmerchen fristen. Die 30 an der Zahl diverser Hersteller wurden dann ins Studio getragen und natürlich ausprobiert. Als Unterstützung holte ich mir noch ein ONKYO Cassettendeck aus der Werkstatt.

Keine große Überraschung. Der größte Teil der Datenträger ist einwandfrei, läßt sich ab-  und bespielen, hat keine mechanischen Probleme und funktioniert somit fehlerfrei. Ganz vorne wieder dabei, wie auch bei den großen Tonbändern MAXELL UD XL I+II und TDK SA. Ein Großteil dieser Cassetten stammt noch von meinem verstorbenen Vater. Schon erstaunlich. Cassetten von 1982….und immer noch benutzbar. Nur ganz wenige Cassetten hatten ein Bandproblem, vermutlich durch ein in der Vergangenheit verwendetes billiges Cassettendeck.

Ein wenig bin ich nun schon wieder infiziert. Also werden die Dinger jetzt erst einmal hier bleiben und angehört bzw. neu bespielt.

…..Männer……!!!

Problem: Cassetten werden „zerstört“ bzw. Band wird kurz nach dem Start zerknüllt.

Schön schmal. Das Band der Cassette mit dem Fehler.

Ein ärgerliches Problem, vor allen Dingen dann, wenn man schon mehrere Cassetten probiert hat und das Gerät erbarmungslos immer wieder zuschlägt. In 99% der Fälle ist dafür die Gummiandruckrolle zuständig, die bedingt durch ihr Alter, an Gummiverhärtung leidet. Auch Reinigen mit Alkohol oder Walzenreiniger vermag diesen Fehler nicht zu beheben. Einzig wirkliche Abhilfe bringt nur ein Austausch der Rolle. Wesentlich drastischer stellt sich der Fehler bei einem Doppel- Capstan Antrieb dar. Diese Antriebsart ist sehr empfindlich, was Störungen im Bandtransport betrifft. Dieses gilt bei Cassettendecks ebenso wie bei Bandmaschinen. Da sind es dann 2 Gummiandruckrollen die getauscht werden müssen. Ich las schon in Foren, man möge den Bandzug messen, die Sensoren (bei Bandmaschinen) überprüfen etc.. Mal abgesehen davon, das die meisten Anwender die dafür nötigen Messgeräte nicht haben kann man sich diese Umwege schenken. Auch wenn man Geld in die Hand nehmen muss (neue Rollen sind nicht billig) erreicht man einen sofortigen Erfolg durch Austausch. Aus vielen Reparaturen kann ich diesen Weg nur empfehlen. Hin- und her probieren bringt nur Frust und evtl. verstellt man dabei einige Parameter und anschließend funktioniert nichts mehr, auch wenn man dann zum Schluss die Rolle doch noch tauscht.
Es sei noch die Email eines Lesers erwähnt, der darauf hinweist, daß beim Riss des Riemens am linken Wickelteller der beschriebene Fehler ebenfalls auftreten kann. Hier ist der geringe Gegenzug des Bandes die Ursache. Danke für den Tip.



Bloss nicht dran drehen. Ein verstellen hätte fatale Folgen.

Die beiden Kunststoffhalterungen erlauben einen leichten Austausch.

Wichtig ist beim Austausch der Rollen, das nichts an der Bandführung verstellt wird. Wie hier beim KENWOOD KX-4520 ist die linke Andruckrolle mit einer Feder höhenjustiert. Wird das verstellt geht anschließend nichts mehr. Beide Rollen lassen sich leicht ausbauen und haben unterschiedliche Durchmesser. Links kann man mit einer langen Spitzzange die Achse von unten nach oben herausdrücken. Rollenmechanik nach hinten klappen und Rolle herausnehmen. Bei der rechten Rolle läßt sich die Achse am oberen Stück mit einer Zange leicht heraushebeln und anschließend herausziehen. Einbau, sie ahnen es, dann in umgekehrter Reihenfolge. Bei Tonbandgeräten werden solche Fehler oft falsch diagnostiziert. Ich hatte eine ReVox B77 bei der man sogar mit Unterlegscheiben unter den Köpfen versucht hatte den Bandlauf zu stabilisieren. Natürlich passte dann nichts mehr. Der Austausch der Andruckrolle hätte das Problem sofort gelöst. Ich tat es dann 15 Jahre später.

Man sieht die schwarzen Schleifspuren auf den Spiegelflächen des Wickeltellers. Durch den Druck des Sensors schleift der Riemen.

Noch ein Hinweis zum Riementausch beim KX-4520.
Der Riemen des linken Wickeltellers wird mit dem Capstanbelt als Set geliefert. Je nach dem wo dieses Ersatzteil bestellt wird ist der Wickeltellerriemen zu dick. Man merkt es nach dem Einbau, weil das Umspulen sehr langsam von statten geht. Der Riemen schleift am Sensor der Laufwerkskontrolle. Ein Problem bei nicht Original Ersatzteilen. Es sollte ein dünner Rundriemen sein (20*1mm). Alles andere funktioniert nicht. Da ein Riemen schwer zu beschaffen ist kann man auch einen O-Ring mit diesem Maß verwenden. Im Normalfall braucht dieser Riemen auch nicht mit getauscht werden  (wenn nicht extrem marode !).
Ist dann alles wieder zusammengebaut und funktioniert hat man ein qualitativ hochwertiges Cassettendeck.

Und servicefreundlich ist es auch noch !