EXPERIMENTAL

AKAI GX-210 D

Bewegliche Tönköpfe bei Reverse- Bandmaschinen sind ein Problem. Genau wie die Revolver Köpfe bei Kassettendecks (gab es auch mal bei SONY Bandmaschinen) sind bewegliche Tonköpfe in ihrer Ausrichtung nicht langzeitstabil.

Die Justierung ist extrem wichtig und sollte nach Werksjustage nicht mehr verändert werden. Im Normalfall verstellt sich da auch nichts. Bei beweglichen Einheiten, die rauf und runter oder gedreht werden sieht das schon anders aus. Allein durch das Ermüden der Federspannung bei den Zugmagneten findet eine Veränderung statt. ReVox montierte die Tonköpfe auf eine Alu-Druckgußplatte um eine möglichst hohe Steifigkeit gegenüber Temperaturschwankungen und mechanischer Belastung zu erreichen. Dieser Tatsache wurde auch in den ReVox Katalogen spezielle Erwähnung geschenkt. Nicht ohne Grund.
Die kleinen Dreimotorer von AKAI – GX 201D, 210D und 215D sind beliebte Maschinen. Hintergrund ist wohl auch die Auto-Reverse Funktion. Man braucht das Band (bei diesen Maschinen nur bei der Wiedergabe) nicht umzudrehen. Die Wiedergabe läuft also rechts und links herum. Hätten diese Maschinen für beide Laufrichtungen getrennte Köpfe wäre alles kein Problem. Leider aber bedient man sich hier einer mechanischen Kopfumschaltung, will sagen, der Wiedergabekopf wird mit einem Zugmagneten heruntergezogen (im Reversebetrieb) oder durch Federkraft wieder in seine Original Position bewegt. Jeder professionelle Nutzer wird bewegliche Tonköpfe ablehnen. Sie müssen justiert und in Ihrer Position absolut stabil bleiben. In einer Profi-Maschine wird man deshalb niemals einen beweglichen Tonkopf finden. Bei meinen beiden GX 210D waren die Auswirkungen sehr störend. Die tiefen Frequenzen der reversen Spuren waren bei leisen Musikpassagen deutlich zu hören. Das ist nicht nur nervig, es verleidet einem sogar den regelmäßigen Spielbetrieb. Und meine beiden sind nicht die einzigen mit diesem Problem. Auch meine GX 280 ist davon betroffen.

Den entscheidenden Impuls zum folgenden Experiment gab jedoch der Einmessvorgang nach einer Reparatur. Im Servicemanual der GX210 wird zur Einstellung des Wiedergabepegels der Zeigefinger des Technikers gebraucht. Er soll einen leichten Druck auf den Tonkopf ausüben und dann mit dem entsprechenden Poti den empfohlenen Wert für den linken Kanal einstellen.

Was bitte ist ein leichter Druck ?  Eine nicht gerade präzise Art der Justage.

Also kam der Gedanke die Maschinen von Reverse auf konventionellen Betrieb umzurüsten. Hierzu wurden die Reverse Umschalter deaktiviert in dem die entsprechenden Steuerleitungen abgelötet wurden. Dann kam der Kopfträger an die Reihe.Er ist mit drei Schrauben am Chassis befestigt. Ablöten des Zugmagneten nicht vergessen und die Kabel isolieren. Nach dem Ausbau war eigentlich schnell klar, daß das kein größeres Problem darstellen würde.

Wichtig hier:

Keiner der Köpfe darf verstellt werden. Alles soll in der Original Justage verbleiben. Bei der GX210D ist das problemlos möglich. Nachdem der Abstand zwischen Kopfträger und Wiedergabekopf mittels Endmaßen festgestellt war, wurde eine Adapterplatte (2,75mm dick) angefertigt. Hier ist absolute Präzísion erforderlich. Ohne die entsprechenden Maschinen ist das ein schwieriges Unterfangen. Wer Freunde in der Werkzeugmacherszene hat ist echt im Vorteil.

Sei noch erwähnt das das ermittelte Maß bei der zweiten Maschine ein anderes war (3,21 mm). Es gibt also keine pauschale Lösung. Jeder Kopfträger muß extra vermessen werden. Der Wiedergabekopf ist an einer Brücke montiert. die sich mit 2 Schrauben vom Träger lösen läßt.

Nach Montage der Adapterplatte können die überflüssigen Teile demontiert werden. Der Umschalter an der Zugmagnetwippe schaltet nur die Kanäle (rechts/links) um, da im Reversebetrieb die Spurzuweisung seitenverkehrt wäre. Tonkopfkabel und Zuleitung können abgelötet werden, der Schalter wird entfernt. Stilecht kann an seine Stelle eine Lötleiste mit 4 Stützpunkten die Kabel verbinden.

Tonkopfkabel gelb – Zuleitung weiß, Tonkopfkabel blau – Zuleitung schwarz.

Der Kopfträger im Originalzustand mit Zugmagnet, der Rückholfeder und dem Umschalter

Die entkernte Variante mit stilechter Lötleiste aus den 70ern.

Der Playback Kopf mit Adapterplatte.

Und wie erwartet haben sich die Übersprechprobleme erledigt. Klingt jetzt richtig gut. Auch der Einmessvorgang funktioniert ohne „leichten Druck“ des Zeigefingers. Die Messwerte sind äußerst stabil. Wichtig wäre noch zu erwähnen, das das Einmessen der Maschine nur mit den von AKAI vorgeschriebenen Messbändern vorgenommen werden sollte. Referenzbänder z.B. für ReVox Maschinen eignen sich zum Einmessen der GX 210 D nicht!
Die Testwochen haben inzwischen das bestätigt, was ich schon beschrieben hatte. Super Klang, keine Übersprechprobleme und die von AKAI bekannte stabile Bandführung. Das Bandeinfädeln erinnert doch stark an einen Filmprojektor. Kurvenreich weil klein.

Nennt sich Museum. Alles braucht einen Namen. Und wenn man in’s Regal schaut stimmt’s ja auch.

Wenn es kein Reverser mehr ist, muß man es auch sehen.

Das Routing meines Systems erlaubt den Betrieb aller im Studio/ Museum und in der Werkstatt angeschlossenen Geräte. Jeder kann mit Jedem in (fast) jeder gewünschten Kombination. Ein hartes Stück Arbeit über einen langen Zeitraum. Da alle Verbindungen analog bestehen ist Rausch und Brummfreiheit extrem wichtig. Darum wurden lange Verbindungen (Werkstatt-Studio) symmetrisch aufgebaut. Nur bestes Kabelmaterial eignet sich für solche Projekte. Die Geräteauswahl in diesem „Museum“ genannten Regal  wechselt in regelmäßigen Abständen, damit alle Geräte in Gebrauch bleiben.
Alles was aus dem Museum kommt läuft über den DATEQ Mixer. Die Wiedergabe ist über den A757 von PIONEER, dem AKAI AA-5810 oder über den DATEQ Mischer am Yamaha Verstärker (AX892) möglich. Wie gesagt…jeder mit jedem. Selbstverständlich gilt das auch für den Aufnahmezweig. Ein Vorteil des DATEQ Mixers sind die 7 Stereo Inputs.