AKAI GX-280

Viel Probleme, leider nicht mehr im Bestand.

Keine ausgesprochene Schönheit, eher funktionelles Design. Die AKAI GX-280.

Gesehen hatte ich die Maschine schon im Internet einige Male. Gekauft hätte ich sie mir nie. Nun bekam ich sie geschenkt. Meine Informationen über dieses Schätzchen fielen sehr mager aus. Im Internet war da nicht viel zu finden. Nur die üblichen technischen Daten, 3 Motore, Autoreverse bei Wiedergabe, 23 Kg, auch als DOLBY Version verkauft und in der DSS 4 Kanal Ausführung erhältlich gewesen.

Die erste Überprüfung, noch im eingebauten Zustand brachte einen nicht funktionierenden Tastensatz (also Bandtransport) zu Tage. Mehr war erst einmal nicht festzustellen. Wie auch ? Sie lief ja nicht. Also Gehäuse abschrauben und nachsehen, was man ohne Serviceunterlagen erreichen kann. Vorher aber noch ins Internet, Schaltungsdienst Lange……Service Manual bestellen.

Schocking…….Der Blick von oben. So baute man 1970 die Motorsteuerung der Wickelmotoren. Ein wilder Drahtverhau mit Widerständen, Kondensatoren, Elkos und mehr. Erinnert mich irgendwie an das Netzteil eines alten PHILIPS Farbfernsehers mit K6 Chassis. „Klingeldraht und hohe Spannung.“ Wie auch immer, es funktioniert und erzeugt in kalten Räumen im Winter eine wohlige Wärme. Erste Handlung: Spannungswähler auf 240 Volt einstellen.
Dann kam die ganze Schönheit ans Licht…….und „unten rum“ sah das viel besser aus, als das „oben rum“ vermuten ließ.

Tacho gesteuerter Direct Drive. Die ReVox A77 war die erste Bandmaschine mit diesem Antriebskonzept.

Capstanmotor, elektronisch geregelt. Das verwunderte mich dann doch. Ähnlich wie bei der ReVox A77 wird die aktuelle Drehzahl mit einem Magnetkopf abgefragt und mit Hilfe einer Elektronik mit der Referenz verglichen. Der Motor hat eine unglaubliche Schwungmasse und läuft nach ausschalten des Gerätes noch lange nach. Zeichen einer guten Lagerung. Ähnlich der ersten Capstanmotoren bei ReVox wurden auch hier Kugellager verwendet.

Zwei defekte Mikroschalter. Merkwürdiger Zufall.

Die Problemverursacher des nicht funktionierenden Bandtransports. 2 Mikroschalter am rechten Bandzugfühlhebel. Beide defekt. Da neue Schalter etwas strammer schalten, mußte die Schaltwippe neu justiert werden.

Ich habe die Microschalter in dieser Maschine nicht gezählt, aber es sind reichlich. Wo etwas in der Maschine zu schalten ist, machen das diese Taster. Also…die Maschine läuft jetzt, die Suche nach Fehlern geht weiter.

Mir fällt der sehr niedrige Audiopegel an den VU-Metern auf. Sie schlagen kaum aus, der linke bewegt sich kaum, obwohl das eingelegte Band mit einem 0db Testton ausgesteuert ist. Auch der Ausgangspegel ist sehr unterschiedlich und viel zu niedrig. Es wird Zeit einen Blick auf die Audioelektronik zu werfen..

Das „Unten rum“. Steckkarten für den Audioteil. Und sehr übersichtlich. 4 Stück plus Oszillatorplatine. Wo ist denn der Rest ?
Kurze Antwort, es gibt keinen Rest. Das ist alles. Aufgeteilt in 2 Platinen für den Wiedergabeverstärker, mit Kopfhörerausgang und Vorreglern für den Wiedergabepegel.Die beiden Platinen für den Aufnahmeverstärker bieten ebenfalls nicht mehr als nur 2 Vorregler für den Aufnahmepegel. Alle Karten haben die Größe eines Streichholzbriefchens. Die Metallschiene dient als „Rausfallsicherung“. Da die Schaltungsunterlagen noch nicht da sind schaue ich mich erst einmal weiter im Gerät um. Wir kommen zur Tastenlogik.

Da hat man sich richtig Mühe gegeben. Wer hier einen Fehler suchen muss, sollte den Schaltplan haben. Glücklicherweise hat diese Maschine keine Probleme mit der Tastenlogik. Da alle Platinen gesteckt sind und auch leicht erreichbar, habe ich mir einen Glasfaserstift zur Hand genommen, Kontakt Spray (60) und alle Platinen aus ihren Stecksockeln gezogen, gereinigt und mit einem dünnen K60 Film wieder in die Buchsen gesteckt. Ein paar mal in den Buchsen hin und her bewegen, damit sich auch dort der Belag von den Kontakten lösen kann. Nach dem Zusammenbau sollte man einige Minuten warten, bis sich das Kontaktspray verflüchtigt hat.
Nach dem wieder einschalten kam da etwas in Bewegung. Die VU-Meter. Der Pegel war wesentlich höher, aber immer noch sehr unterschiedlich. Warten wir also auf die Service Unterlagen.

Kopfträger mit „Fahrstuhlkopf“ Rauf oder runter, je nach Wiedergaberichtung.

Oben ohne. Sieht ja nicht schlecht aus.

Als das Service Manual dann kam, warf ich als erstes einen Blick auf den Audio Plan. Unglaublich. Alles wird nur mit den Vorreglern im Wiedergabe- und Aufnahmeverstärker eingestellt. Die VU-Meter; und das ist für mich der absolute Hammer, hängen einfach parallel zum Audioausgang. Keine Einstellmöglichkeit, keine eigene Anzeigeelektronik. Hier liegt auch ein Teil des Problems. Wird die Maschine nach Anleitung eingestellt und passen alle geforderten Werte, zeigen die VU-Meter immer noch unterschiedlich an. Da nichts weiter dazwischen liegt, kann also nur an einem Instrument ein Problem vorliegen. Da der „Abweichler“ zu viel anzeigt konnte das Problem einfach gelöst werden. Ein Trimmerpoti in Reihe geschaltet und eingestellt. Meßwerte OK- Anzeige OK. Ich werde mich mit diesem Problem aber noch weiter beschäftigen, abgehakt ist das noch nicht. Zu erwähnen sei noch, das ähnlich wie bei den GX-210 nern im Reverse Betrieb der Wiedergabepegel leicht vom „Original“ abweicht. Ein Effekt des höhenverstellbaren Wiedergabekopfes.

Inzwischen stellten sich kleinere Probleme mit den Relais der Laufwerksteuerung heraus. Da ich nicht lange suchen wollte und Relais nach runden 40 Jahren auch nicht mehr die saubersten Kontakte haben, wurde ein Komplettaustausch vorgenommen. Zum Einsatz kamen Finder Industrierelais mit Printsockel. Die Finder-Relais haben den unschätzbaren Vorteil eines Funktionsindikators, sie zeigen ihren Schaltzustand mit einem roten Indikator an. Sehr hilfreich bei der Fehlersuche.
Ferner konnten die Unterschiede im Anzeigepegel zwischen Normal- und Reversefunktion beseitigt werden. Nur eine Justageschraube am Wiedergabekopf. (Manual erforderlich) Hier war die Spannfeder zu schwach.

Von Anfang an gab es mit dieser Maschine Pegelprobleme. Jetzt sollte das Gerät eingemessen bzw. die eingestellten Werte überprüft werden. Hier waren im Eingangspegel starke Unregelmäßigkeiten zwischen dem linken und rechten Kanal, obwohl die VU Meter korrekte Werte anzeigten. Diese Pegelunterschiede setzten sich in der Aufnahme fort und in der Wiedergabe gab es dann plötzlich keine großen Abweichungen mehr. Grund genug dieser Sache mal auf den Grund zu gehen. Hinzu kam noch, daß der Aufnahmepegel selbst nur an den Frontreglern eingestellt werden kann, eine Voreinstellung im Aufnahmeverstärker gibt es bei dieser Maschine nicht.

Nach diversen Messungen an diversen Punkten fiel auf, daß der Pegel sich änderte, wenn am Rec.- Regler für die Mikrophone gedreht wurde. Und hier lag auch das Problem. Der Mikrofoneingang liegt parallel zum normalen Line-Eingang. Nach den Vorverstärkern für die Mik’s wird das Signal über die Regler und einem Entkopplungswiderstand auf die Line In Leitung gelegt. In der Kohleschicht des Mik-Reglers gab es wohl ein etwas niederohmiges Problem, was den Pegel des Line Eingangs herunterzog. Da keine Mikrofone mit der Maschine verwendet werden, wurden die Mik- Regler deaktiviert. Nun passte der Record Pegel im Aufnahmezweig. Auch die Wiedergabepegel waren lt. Messgerät identisch. Nur die VU-Meter zeigten exact die Abweichung, die vorher im Line In Bereich zu messen waren. Merkwürdig, denn die VU-Meter lassen sich nicht einstellen (siehe oben).

Es gibt bei dieser Maschine keine spezielle Schaltung die die VU-Meter bedient. Das Signal wird direkt parallel zum Line out abgezweigt. Also mußte in den VU-Metern etwas zum entkoppeln und anpassen eingebaut sein. Nun wurde das entsprechende Instrument zerlegt und wie das so bei Einbahnstrassen ist (Du hast nur einen Versuch !!) wurde ich fündig. Leider zerlegte sich die Spirale des VU-Meters bei der Aktion……unreparierbar. Da es jetzt nichts mehr zu verlieren gab zerlegte ich auch das zweite Instrument. Die Vergleichssmessungen ergaben genau den am Gerät festgestellten Pegelunterschied. Hier hat man mit den Vorreglern im Instrument anscheinend die Pegeldifferenz ausgeglichen. Das würde aber bedeuten, das dieser Fehler schon ab Werk eingebaut war. Mikrofonpotentiometer defekt ! Lassen wir das einmal so stehen.

Jetzt mußten neue Instrumente her. Im Netz entdeckte ich VU-Meter aus einer AKAI GX 630. Von den Maßen her einigermaßen passig ging ich das Risiko ein, denn im Gegensatz zu anderen Maschinen werden die Instrumente vor der Front montiert. Um die VU-Meter „unten herum“ abzudecken, wurden zwei Aluwinkel gebogen und schwarz gespritzt. Die Beleuchtung entsprach dem der GX 280 (5 Volt). Es sei noch erwähnt, daß diese Instrumente nicht ohne Zusatzschaltung auskommen- die trotz akutem Platzmangel noch integriert werden konnte.

Und mal ehrlich…..wenn man es nicht weiß…es sieht schon sehr original aus !!