AKAI GX 210 D

3 Motore auf engstem Raum.

Für 40 Euro kann man das Experiment ja schon mal riskieren. Eine GX 210, ungeprüft aus Haushaltsauflösung. Meine Erwartungen waren entsprechend gering, was sich auch im Lauf der ersten Sicht- und Funktionsprüfung als richtig herausstellte. Da ich, wie immer mit technischen Unterlagen und Servicetips vorversorgt war, kannte ich die Macken der Maschine schon. Und natürlich auch das aus der TEAC bekannte Motorproblem. Zunächst entäuscht über diese Diagnose, entwickelte ich im Laufe der Reparatur eine bemerkenswerte Energie um diesem Problem Herr zu werden.

Das Maschinchen war nicht nur laut….es wimmerte ab und zu, kurz ein Trauerspiel.

Ein Experiment mit der GX-210 (siehe hier)

In diesem Fall sah das erst einmal gar nicht so schlecht aus. Man konnte den Motor komplett zerlegen und hatte das Problem sofort vor Augen. Wieder die Sache mit dem Öl. Nach öffnen des unteren Motorlagers sah man schon den verschimmelten Filz, der einmal das Öl speicherte. Er war hart, unbrauchbar und wurde entfernt. Die Idee: Gleitlager austauschen gegen Kugellager.

Der Ausbau des Capstanmotors erfolgt bei der GX210 von vorne aus. Die Drähte vom Motorprint sollten vorher abgelötet werden. (Farben notieren). Zum lösen der oberen Motorbefestigung muss das Zählwerk demontiert werden (Auf den Riemen achten). Alles sollte ohne ölige und fettige Finger von statten gehen. Sauberkeit ist erste Pflicht.

Die Adapterplatine auf die der Motor geschraubt ist, braucht nicht entfernt zu werden. In unserem Fall war das auch nicht möglich. Die Schrauben waren geklebt und nicht lösbar. Ebenfalls geklebt ist die Schraube auf der Motorachse, die das Treibrad für den Riemen hält. Hier hilft nur losdrehen bis der Kopf der Schraube abreißt, Treibrad abziehen und Motor zerlegen. Wenn der Rotor ausgebaut ist, kann man mit einem kleinen Lötbrenner den Rest der Schraube erhitzen und mit einer Zange herausdrehen.

Original Lager

Kugellager Version

Hier zum Vergleich das alte (rechts) und (links) das neue Lager . Eingepasst wurde das Kugellager mit einem Aluring. Da noch eine zweite Maschine und ein dritter Motor, beides noch für wenig Geld erstanden, zur Verfügung waren, wurde dieser Motor für das Experiment geopfert.

An dieser Stelle muß ich wieder Freunde aus der Berufsgruppe der Werkzeugmacher und Konstrukteure erwähnen, ohne deren fachliche Kompetenz die AKAI wohl in die Tonne gewandert wäre. Passende Kugellager wurden gefunden, entsprechende Adapter angefertigt und eingebaut.

Erst das Lager, dann der Alu-Ring.

So sieht die modifiziert untere Motorabdeckung nach dem Umbau aus. Abdeckung mit Kugellager und der Alu- Passung. Nicht zu stramm, aber auch nicht zu locker. Für die Rotorwelle wurde noch eine Distanzhülse gedreht um das Axialspiel des Motors möglichst gering zu halten.

Gleich vorweg, beide Lager als Kugellager funktionieren nicht. Läßt man das obere Gleitlager an seinem Platz, tauscht nur Ölfilz und Öl – und ersetzt das untere Gleitlager durch ein Kugellager funktioniert das sehr gut. Experten raten zwar nicht zu einer solchen Konstruktion, aber leider habe ich hier keine andere Wahl. Das Kugellager hat ein etwas höheres Laufgeräusch, was aber in keinem Fall störend wirkt. Als Kugellager kam eine geschlossene Ausführung zum Einsatz. Für ein Lager müssen ca. 20 Euro gerechnet werden. Hinzu kommen die Kosten für einen Werkzeugmacher, der einem das Lager einpasst.

Der Alu- Ring. Wichtig. Sonst passt das Lager nicht

Besser (und billiger) sind natürlich Freunde. Bedingt durch einen etwas höheren Geräuschpegel des Lagers kann es zu Gehäuseresonanzen kommen. Hier helfen Gummischeiben zwischen den Schrauben der Holzseitenteile und dem Chassis.

Die Akai hat noch ein paar kleine Altersschwächen, die hier nicht verschwiegen werden sollten. Gute Tips zu den Reparaturen und wie sie durchzuführen sind gibt es über diesen Link: http://www.tonbandhobby.de

Neue Gummiandruckrollen sind für diese Maschine inzwischen sehr gut zu bekommen. Es gibt aber auch die Möglichkeit sie neu beschichten zu lassen. Neue Andruckrollen finden sich bei Ebay für ca. € 40,00. Auf gebrauchte Rollen sollte man nicht zurückgreifen.

Noch ein Nachtrag zur Reinigung des Reverse Umschalters, beschrieben auf :
http://www.tonbandhobby.de (Reparaturen GX-210D)

Eine weitere Möglichkeit den Schalter zu reinigen, ist der Ausbau des kompletten Kopfträgers. Er ist mit drei Schrauben auf dem Chassis befestigt. Das erleichtert nicht nur die Arbeit am Schalter, die Feder läßt sich auch bedeutend besser ein-und ausbauen. Dazu müssen die Kabel am Zugmagnet abgelötet werden (Polarität beachten). Ferner sollte man sich die Befestigung des Schalters genau anschauen. Die Halterung besitzt Langlöcher. Schraubt man den Schalter in der falschen Position fest, funktioniert die Umschaltung nicht richtig und die Spurlage passt nicht mehr.

Die Motorkondensatoren

Auffallend nach einige Monaten Betrieb war bei beiden GX 210 die geringe Umspulgeschwindigkeit. Auch die Hitzeentwicklung des Capstan Motors machte mir etwas Sorgen. Das Umspulen war, so schien es, abhängig von der Tagesform der Maschinen. Der Austausch der Motorkondensatoren schien keinen grossen Einfluß auf die Umspulgeschwindigkeit als auch auf die Capstan Temparatur zu haben. Weitere Untersuchungen brachten es an den Tag. Das Umspulen wird maßgeblich von der verwendeten Bandsorte beeinflußt. Es gibt Bänder die sich flott von A nach B bewegen. Andere dagegen bremsen die Umspulgeschwindigkeit sehr stark aus. Ein weiteres, schon an einigen Kleinspulern  gefundenes Problem sind die viel zu stramm eingestellten Bremsen.
Stopp….und das Band steht sofort. Nicht gerade schonend. Ein guter Indikator ist das einfädeln des Bandes. Lässt sich das nur schwer bewegen, sind die Bremsen zu kräftig eingestellt. Diese lassen sich aber sehr gut justieren. Dazu mit einem dünnen Marker die Position der Einstellung markieren und die Schieber durch leichtes lösen der beiden Befestigungen etwas nach innen schieben um die Bremsbänder zu lockern. Das sollte auf beiden Seiten gleichmäßig passieren. Danach einige Bremsproben durchführen. Die Justage ist sehr einfach und problemlos. Kein Hexenwerk.

Es kommen immer wieder E-Mails von frischen GX210 Besitzern, die in Ermangelung einer Betriebsanleitung wissen möchten, wie das Band an der Gummiandruckrolle geführt wird. Folgendes Foto soll das Rätsel lösen. (Auch für GX 200/201/215)


Die Wartung der AKAI GX-210
Einmessen

Seit 2 Jahren sind meine (umgebauten) GX-210 nicht mehr im aktiven Dienst, da ich nicht alle meine Maschinen im angeschlossenen Zustand stellen kann. Es fehlt der Platz. Nun ist es Zeit den Tiefschlaf der kleinen Japaner zu beenden und eine große Wartung aufzurufen. Nachdem meine TEAC‘s und die AKAI GX-265 ihre jährliche Durchsicht hinter sich haben, ist es Zeit für die 210er. Meine ReVox A+B-77 bedürfen keiner Aufmerksamkeit. Sie sind wartungsarm und werden nur bei Bedarf geöffnet. Ich hatte die GX-210 ja von Revers auf Normalbetrieb umgebaut, da ich mit dem in der Höhe verstellbaren Tonkopf nicht so richtig glücklich war. (Siehe Experimental) Grund war auch die schwächelde Umschaltmechanik mit einer noch schwächeren Rückholfeder.

Also, los geht‘s. Neben den üblichen Kontaktproblemen der Schalter und der damit verbundenen Spraybehandlung wollte ich auch die Messwerte der Audioelektronik überprüfen und ggf. einstellen. Da mir damals bei dem Umbau der Geräte noch nicht so präzises Messquipment zur Verfügung stand, möchte ich es jetzt genauer machen.

Vor Beginn der Messungen werden die Köpfe gereinigt und entmagnetisiert.
Desgleichen die Bandführung.
Hier die Messwerte in Volt/dB

0,775 Volt = 0 db
1,228 Volt = 4 db
46 MilliVolt = -24,5 db

Benötigtes Equipment: Millivoltmeter, Sinus Tongenerator.

Die Einmessanweisung im Manual ist kurz und knapp, reicht aber zum erfolgreichen Arbeiten aus. Probleme gibt es nur bei den Bezugsbändern die für diese Maschinen benötigt werden. Die Bänder sind in Vollspur aufgenommen, hier mit einem 250 Hz Sinus bei 19 cm/s. Ich habe ein solches Vollspur Tape nicht, könnte mir aber auf einer meiner anderen Maschinen ein Testband anfertigen, nur nicht in Vollspur. Also habe ich ein TEAC DOLBY Bezugsband verwendet. 400 Hz,0dB.bei 19 cm/s.
Die Poti (VR) Bezeichnungen auf beiden Platinen (Playback & Record) sind identisch.  Also nicht verwechseln.

Unseren Tatort erreichen wir durch lösen der Bodenplatte. Nur 4 Gummifüße sind zu entfernen.
Zunächst stellt man den Wiedergabepegel ein. Gerät auf 19 cm/s, Monitor Schalter auf TAPE. An den Ausgängen (Line Out) wird das Millivoltmeter angeschlossen. Band starten und an beiden Cinch Ausgängen (R+L) mit den Potis VR1 und VR1b 1,228 V einstellen. Anschließend die VU-Meter auf 0db einstellen. (VR2 + VR2b).
Die 4 Potis befinden sich auf der Playback Platine. (Siehe Foto, rote Kreise).  Die Werte der hier beschriebenen Einstellungen sind bei der Originalversion identisch, allerdings muss der Revers-Betrieb beachtet werden. Dazu sind weitere Messungen nötig, die ich bei meinen umgebauten Maschinen nicht mehr durchführen muss. Ein Service Manual sollte in jedem Fall zur Hand sein. Nun folgt die Einstellung des Aufnahme – und Monitorverstärkers.

Vorweg sei gesagt, das Tongeneratoren zwar einen regelbaren Ausgang besitzen, 0,25 mV aber bei den meisten Hobby Generatoren schlecht einzustellen sind. Ferner soll man lt. Manual mit dieser wirklich sehr geringen Spannung (bei 1000 Hz) die Mikrofoneingänge benutzen. Hier kommt man schnell an seine Grenzen, da der Brummanteil im Signal zwangsläufig höher ist als das Sinus-Nutzsignal.

Zu dieser Erkenntnis kam man wohl auch bei AKAI, so das als Alternative die Cinch Eingänge benutzt werden können, mit einer doch praktikableren Spannung von 46mV bei 1000Hz. Also mit dem Tongenerator über die Cinch Eingänge 1000 Hz mit 46 mV einspeisen. Monitorschalter auf SOURCE, die Maschine steht auf STOP, Aufnahmeregler auf Rechtsanschlag. Mit den Potis VR2 und VR2b wieder an den Cinch Ausgängen (R+L) 1,228 Volt einstellen. Die Einstellregler befinden sich auf der Record Platine. (Ovale rote Kennzeichnung)

Kommen wir nun zu einer Besonderheit bei AKAI. Hier gibt es parallel zum Wiedergabeverstärker noch einen Monitorverstärker, der den Hinterbandpegel hör bzw. auf den VU-Metern sichtbar macht. Andere Hersteller nutzen dazu meistens den Wiedergabeverstärker, oder der Monitorverstärker ist nicht einstellbar. Bei diesen AKAI‘s ist das jedoch möglich.

Einstellungen wie gehabt, ein sauberes Band sollte aufliegen und wir starten das Band im Record Modus. Monitor Schalter auf TAPE. Dann mit den Potis VR1+VR1b die besagten 1,228 Volt an den Ausgangsbuchsen einstellen. Während der Messung zwischen TAPE und SOURCE hin-und her schalten. Die Pegel sollten gleich bleiben.

Das sind die wichtigsten Einstellungen bei der GX-210. Es ist noch mehr möglich, man sollte aber dort die Werkseinstellungen nicht verändern. Verwenden sie für diese Justagearbeiten die Bandsorte, die sie am häufigsten verwenden. Dann können sie sicher sein das der angezeigte Pegel vor dem Band auch auf dem Band vorhanden ist.

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Die Ansicht der Einstellpotis. In der unteren Hälfte befinden sich die Potis für den rechten Kanal, oben für den linken Kanal.
Ganz links VR1+VR1b für den Wiedergabeverstärker, rechts auf der gleichen Platine die VU-Meter Einstellung.
Die rechte Platine ist der Aufnahme und Monitorverstärker. Hier kann man die Potibezeichnungen besser lesen.

Zur jeder guten Wartung gehört auch ein Tröpfchen Öl. Feinstes Gleitlageröl von dem wir 2 Tröpfchen (nicht mehr)  an unsere
Capstanwelle geben. Dazu Gerät auf den Rücken legen. Man sieht über der Capstanwelle (siehe Foto Bandführung) ein kleines Loch, das genau zu diesem Zweck dort vorhanden ist. Öl einträufeln und die Maschine einige Minuten liegen lassen. Danach einschalten und Gerät wieder aufrichten. Fertig.
Die Welle sollte noch mit einem alkoholisierten Lappen gereinigt werden, um eventuelle Ölrückstände zu entfernen. Das war’s.

Sei noch erwähnt das aus der GX-210 wesentlich höherer Audio Output kommt als aus anderen Medien (zb. CD-Player, Tuner oder ähnlichen Geräten).
Der merkliche Lautstärkeunterschied liegt einfach an den 1,228 Volt am Line Out. Normalerweise ist der maximale Pegel von Heimaudio Geräten  zwischen 0,5 und 1 Volt. Viele Bandmaschinen haben Regler um den Output zu begrenzen. Diese AKAI leider nicht. Beim Einmessen einfach eine kleinere Ausgangsspannung einzustellen ist keine gute Idee. Man verschiebt damit den Arbeitspunkt der Maschine total.

Ich werde immer wieder auf den etwas penetranten Geruch der Maschinen angeschrieben. Was da riecht sind keine elektronischen Bauteile. Es ist das Öl des Capstanmotors bzw. die Filze darin. Die lassen sich leider nicht tauschen. Bei Erwärmung des Motors gibt es dann diesen Altölgeruch. Wer seine GX-210 liebt muss wohl damit leben. Nostalgie riecht !

So, nun steht noch die Endkontrolle an, will sagen die Überprüfung der vorgenommenen Einstellungen. Also wird mit den vorhandenen Vierspurern TEAC, SONY, ReVox verglichen.Alles passt, die Pegel sind identisch und die Aufnahmen (was bei vielen unterschiedlichen Geräten wichtig ist) austauschbar. Also…alles richtig gemacht. Da immer noch kein Platz für einen ständigen Betrieb vorhanden ist, werden die 210er einige Tage im Studio ihren Job machen, bevor sie wieder in’s „Museum“ gehen.



Der AUDIO INFLUENCER

Speziell für die AKAI GX-210 entwickelt !!

Wer große Pegel kleiner machen will braucht einen Pegelsteller, ein Dämpfungsglied etc. um aus dem viel zu hohen Audiosignal ein an die anderen Komponenten angepasstes Signal zu machen, damit einem beim Umschalten nicht die „Ohren abfallen“. Dafür, und weil mir ihre Ohren am Herzen liegen gibt es hier exklusiv den Audio Influencer.
Die Schaltung zeigt einen Kanal. Entweder arbeitet man mit einem Stereo Potentiometer  oder was einem die getrennte Anpassung der Kanäle leichter macht mit 2 getrennten Potis wie bei meinem Modell.

Stückliste:
Potentiometer 2×47 KΩ  linear
Widerstand  270 Ω  2 Stck.

Die einfache, schnelle Variante mit XLR Anschlüssen.

Ein schönes Gehäuse, Stecker und Buchsen nach Wahl. Ein bisschen löten und schwupps ist der Audio Influencer fertig. Und ab sofort gibt es keine ungewollten Lautstärkesprünge beim Wechsel der Eingangsquelle.
Der Influencer ist für alle Hochpegelgeräte geeignet.