SONY TC-755



Vor nicht allzu langer Zeit habe ich Bandmaschinen gesucht. Inzwischen, so scheint es, suchen die Bandmaschinen mich. Aus einer Haus-Aufräumaktion ein Dachbodenfund besonderer Art. Eine SONY TC-755. Was kann man von einer Maschine erwarten, die zwanzig oder mehr Jahre auf dem Speicher zugebracht hat ? Und was von außen so angelaufen aussieht, muß auch drinnen einige Lagerspuren haben.

Das hieß erst einmal Grundreinigung. Die angelaufene Mechanik wurde entstaubt und – soweit möglich – vom Oxyd und Rost befreit. Komplett zerlegt wurde die Maschine nicht. Man darf ihr das Alter ruhig ansehen. Wichtig für mich ist immer die Funktion (aller) Teile.
Festgestellte Probleme:

Andruckmechanik

bewegt sich nicht. Total verharzt. Ein Standardproblem der TC-755. Es bedurfte schon massiver Kraft die Andruckmechanik
zu zerlegen. Wie festgeklebt. Es hat einige Zeit gedauert aber……

Zerlegt, gereinigt und gefettet.

Läßt sich in 3 Worte zusammenfassen, die den Aufwand und die verwendete Zeit nicht beschreiben. Den Rost der Wickelmotoren habe ich großzügig übersehen. Sie wurden geölt und laufen absolut ruhig und vibrationsfrei. Selbst die Bremsen haben die lange Standzeit gut weggesteckt. Keine Justage erforderlich.

Maschine läuft zu langsam.

OK. Hier habe ich die Elektronik bemüht, heute weiß ich das der Capstanbelt, also der Riemen schuld an den Schwankungen
war. Da das kein kurzfristiges Problem war, sondern nur alle paar Monate bis zur erneuten Nachjustage auftrat und die Maschine
auch nicht wirklich viel benutzt wurde habe ich das vernachlässigt. Einige Jahre später (siehe weitere Artikel) hatte sich das dann ja auch erledigt.

Vormagnetisierung sehr unterschiedlich

….und scheint sich während des Betriebs auch zu verändern.
Erstmal eingestellt nach Erfahrungswerten so gut es ging, nach Erhalt der Service Doku konnte das Problem gelöst werden.

Nun folgt (komplett mit der gereinigten Front und dem Holzgehäuse) der Testlauf.

In den letzten Wochen wurde sie hart „rangenommen“. Bänder aufnehmen, abspielen, spulen, Dauerbetrieb. Und kein Grund zur Beanstandung. Nur eine Justage der Andruckmagnete war noch nötig und eine intensive Reinigung der Gummiandruckrollen mit einem speziellen Walzenreiniger. Es war das erste Mal, das ich so einen Reiniger benutzt habe. Das Ergebnis spricht für sich. Hat immerhin weitere 12 Monate funktioniert. Normalerweise hätte ich die Rollen gleich tauschen sollen. Aber, schließlich arbeite ich hier unter „Laborbedingungen“. Testen was geht. Erfahrungen sammeln.

Die Gummiandruckrollen haben nach einem weiteren Jahr ihren Dienst quittiert und neue mußten her. Über einen fairen Händler bestellt und eingebaut. Ferner wurden noch die beiden PLAY/RWD/FWD Relais gereinigt. Ein Austausch war leider nicht möglich, da die neuen Relais mit Sockel einige Millimeter zu hoch waren. Also wurden nach erprobter Sitte die Relais gereinigt und wieder eingelötet. Sie läuft wieder !!



Die „Andruckhölle“ der 755. Selbst Sicherungslack klebt nicht wie verharztes Öl. Unglaublich und ein Geduldsspiel bei der Zerlegung.

Schön wenn wieder alles läuft. Das Logo das in vielen Studios zum Standard gehört. Japanisches Know How, nur bei der Verdrahtung stößt man bei Reparaturen an seine Grenzen.



NICHTS IST FÜR IMMER….Jetzt aber wieder für länger !

Wie das so ist in der bewegten Technik der 70er und 80er Jahre. Irgendwann trifft uns der Verschleiß, der Staub und das Alter. Bei der TC 755 begann das Problem mit dem Capstan Belt. Nachdem ich jeweils im Abstand von  2 Jahren die Geschwindigkeiten neu justieren musste, wollte ich mal einen Rundschlag tätigen, die Messwerte wieder überprüfen und sehen was sonst noch so zu machen ist.

Gesagt getan. Als erstes tauschte ich den Treibriemen des Doppel-Capstan Antriebs. Wie bei SONY üblich ist das nicht in 5 Minuten getan und nach der Reinigung der Antriebselemente und des Chassis (soweit mit dem Lappen erreichbar) dem Zusammenbau und der Gewissheit keine Schraube  zu viel zu haben, widmete ich mich den Audiodaten.
(Die Geschwindigkeit passte).

Das Gerät steht auf dem Kopf. Losgeschraubt ist die Platine des Wiedergabeverstärkers mit den Reglern für Playback, EQ und der VU-Meter (jeweils für Rechts und Links) So wie die Platine liegt ist auch schon die maximale Beweglichkeit erreicht. Mehr geht nur durch lösen von Kabelbäumen. (Nicht zu empfehlen) . Auf der linken Seite die Aufnahmesektion. Sie ist noch komplett eingeschraubt.

Da der Austausch der Potis und das erneute Einmessen kein grosser finanzieller Aufwand ist, werde ich also den Versuch wagen. Sollten sich nach dem Tausch noch Komplikationen ergeben, muß ich mir weitere Arbeiten überlegen. Da lobe ich mir meine ReVox Geräte. Maschinen mit 3 Motoren und 2 Zugmagneten, Elektronik gesteckt !!

Die Platinen zeigen das Serviceproblem sehr gut. Diese Ansammlung von Drähten befindet sich an mindestens 3 Seiten des Boards. Wer da etwas tauschen will braucht nicht nur sehr viel Zeit……..man kann die Platine nicht bewegen, geschweige denn löten oder an Bauteilen messen.

Alle, aber wirklich alle geforderten Spannungen wurden nicht erreicht. Von Kanalgleichheit ganz zu schweigen. Echt grausig. Das Problem war schnell erkannt. Alle Trimmerpotis im Aufnahme- und Wiedergabezweig springen oder lassen sich überhaupt nicht mehr einstellen. Also habe ich (siehe Fotos) das was nötig ist losgeschraubt und beginne mit dem Austausch, sobald die Teile eingetroffen sind. Wie servicefreundlich das alles erreichbar ist können Sie selbst beurteilen.



Das nächste Problem waren dann die Rastermaße der Potis. Es gibt Potis in den diversen Größen, nur passen die nicht in die SONY Platinen. Der Platz rund um die Potis war zugebaut mit Bauteilen, so das die neuen Regler teilweise auf die Lötseite gelötet werden mußten. Eine Notlösung, die aber durchaus funktioniert. Auch ging das Einlöten nicht ohne nachbiegen der neuen Potentiometer von statten.

Wäre noch zu erwähnen, das beim Einmessen ein zwinkerndes Auge angebracht ist.
Ein- und oder Ausgangsregler auf „mechanical Mid“ lt. Servicedoku ist gut gesagt. Da in den Jahren auch die Genauigkeit der Potis abhanden gekommen ist, muß man hier etwas großzügig messen. Ein Problem für mich, da ich gerne sehr genau justiere. Aber nach einigen Korrekturen hat es denn doch ganz gut geklappt.

Es ist geschafft. Alle Potis sind ausgetauscht, das Gerät wurde lt. SONY Service Dokumentation eingemessen, der Autor ist zufrieden. Bis dahin ein doch etwas beschwerlicher Weg. Das alles ziemlich verbaut ist, für die Ewigkeit (wenn man es denn nicht zerlegen muß) war klar. Kurze Kabelbäume und viel Fummelkram rundrum. Und nichts ohne meine Arbeitshandschuhe, jedenfalls zum Bewegen der Maschine. Man holt sich schnell blutige Kratzer an den Händen, da das Chassis doch an manchen Stellen sehr scharfkantig ist.

Fazit: Wer eine solche Maschine „restaurieren“ möchte, so wie es in einigen YouTube Videos zu sehen ist (komplett zerlegt und poliert) sollte sich das gründlich überlegen. Gegen eine normale Restaurierung die die normalen Verschleißteile und Äußerlichkeiten beinhaltet ist hingegen nichts einzuwenden. Es ist eine schöne Maschine, langlebig und technisch mit guten Daten. Fummeln eingeschlossen. Wer es leichter haben möchte ist mit ReVox sicherlich besser bedient. Steckkarten und ein wesentlich übersichtlicherer Aufbau erleichtern die Arbeiten extrem.

Links das Original (schlank, offen, defekt), daneben die Alternativen, die auch zum Einsatz gekommen sind.