DIE ReVox B77

Wer „A“ sagt muß auch „B“ sagen !

ReVoX in den Siebzigern.



Schon sauber und repariert. Die ReVox B77.

Endlich hat es geklappt und ich konnte mir eine ReVox B77  im Internet sichern. Leider in sehr schlechtem Zustand – dafür war der Preis angemessen niedrig. Das Bild zeigt die gereinigte Maschine. Zum schlechten äußerlichen Zustand kamen noch diverse elektrische und mechanische Probleme. Linker Kanal wird bei Aufnahme leiser, die Maschine leiert bzw. läuft unterschiedlich schnell, und die Bremsen sind dejustiert, es ist kein sicheres Bremsen ohne Bandsalat möglich. Die Platinen sind stark verschmutzt. Irgendeine klebrige Flüssigkeit muß hier einmal eingedrungen sein. Das Gehäuse hat die üblichen Lackprobleme, klebt und sieht sehr schlecht aus. Also alles in allem viel Arbeit.

Nachdem ich den Motorkondensator als Fehlerquelle ausschließen konnte, habe ich die Motorregelung und die Andruckrolle getauscht. Damit war das Problem aus der Welt. Ersatzteile kamen wie üblich über’s Internet.

Das Problem mit dem linken Kanal klärte sich schnell. Total oxidierte RCA Buchsen im Anschlußpanel, somit extreme Kontaktprobleme. Gereinigt und gut.
Anscheinend habe ich Capstan-Probleme aboniert, anders läßt es sich wohl nicht erklären das alle bisher gekauften Maschinen mit dem Capstanantrieb Probleme hatten. In diesem Fall etwas heftiger. Neben dem total verstellten Andruck der Gummiandruckrolle schien auch noch die Motorregelung betroffen.zu sein. Zum ersten Mal ist mir bei dieser Maschine die grüne Andruckrolle von ReVox untergekommen und die war mir von Anfang an suspekt. Also erst einmal korrekten Anpressdruck eingestellt (1,3kp) und getestet. Merkwürdig war das Verhalten der Maschine. Der Gleichlauf passte eigentlich  bis man eine Störung einbrachte , also mal kurz auf Pause ging, oder ein Stück weiterspulte. Dann wurde der Capstan schneller oder langsamer, das aber gleichmäßig.

Foto der Querverstrebung . Da hat wohl jemand stark gerissen ! Ein Indiz für die schwere Vergangenheit dieser B77.

Und das Gehäuse ?

Der Horror schlechthin. Klebender unansehnlicher Nextellack. Verschiedene Möglichkeiten den Lack zu entfernen wurden probiert. Abstrahlen, schleifen etc. Alles sehr langwierig, abstrahlen nur wenn man einen kennt der so etwas kann bzw. einen Sandstrahler hat, der auch groß genug ist. Auf die einfachsten Möglichkeiten kommt man immer zuletzt. Ich habe den Lack mit heißem Wasser, Meister Proper und der scharfen Seite eines Scheuer – Schwamms entfernt. Mühsam, aber es funktioniert. Mit Kunststofflack (für Stoßstangen) wurde das Gehäuse dann schwarz gespritzt. Sieht gut aus und klebt nicht mehr.

Das kannte ich bisher nur von PHILIPS Maschinen in denen ja nun nachweislich viel Plastik verbaut ist, daß das Gerät beim Spulen stopt – und das macht was es nicht soll. Es stopt auch, wenn man stop mit zwei „p“ schreibt. Ich hab’s mit einem „p“ gelernt – und dabei bleibt es auch. Das dazu !!

Also statische Aufladung habe ich auch bei einer bestimmten Bandsorte auf Metallspulen. Die B77 hält dann nach einigen Metern an und geht auf START. Leider kenne ich die Bandsorte nicht, die auch am Vorspann nicht zu identifizieren ist. Jedenfalls ist das Band auf der Rückseite nicht beschichtet. Abhilfe schafft ein kleiner Trick.

Statische Aufladung beim Umspulen. Mit rückseitenbeschichtetem Band gibt’s keine Probleme.

Die obere Befestigung der Frontplatte wird als Ableiter verwendet ( ist ja mit dem Aluchassis verbunden). Ein dünner flexibler Draht wírd um die Schraube gewickelt so das sich an beiden Enden kleine Pinsel bilden. Ein Hauch von Kontakt zu den Spulen reicht. So gibt’s keine Funken mehr, die die Logik zum ausflippen bringen. Eine ähnliche Lösung habe ich schon bei meiner A77 angewendet. Da knallt’s allerdings nur, was für das Band ja auch nicht gerade schonend ist. Vielleicht für die Nutzer von Geräten mit Metallfront auch interressant wenn Kunststoffspulen verwendet werden. Wen der silberne Glanz des Drahtes stört, kann ihn ja mit einem Filzschreiber schwarz malen. Sicherlich auch ein Problem der Luftfeuchtigkeit im Raum.

Dünnbrettbohrer. Ist das Band zu dünn, bleibt sie stehen. Die B77 braucht professionelles Bandmaterial.

Empfehlung!! Das Modul für die „rastende Pausetaste“. Eigentlich unverzichtbar

Man lernt ja nie aus. Bei der Verwendung von älteren, anscheinend sehr dünnwandigen Bändern scheint die IR-Lichtschranke durch das Band und verhindert den Spielbetrieb. Hier hilft nur abkleben. Aber VORSICHT !  Dieser Trick setzt die Endabschaltung außer Betrieb. Also nicht vergessen, nach Durchlauf des Bandes die „Gehhilfe“ wieder entfernen.
Wer eine B77 sein Eigen nennt wird eine Funktion schmerzlich vermissen, nämlich die rastende PAUSE TASTE . Was bei anderen Fabrikaten Standard ist (war) hat schon bei der A77 ganz, bei der B77 teilweise gefehlt. Möchte man eine Aufnahme kurz unterbrechen, z.b.um eine LP umzudrehen muß man die Maschine auf STOP schalten und hat nach dem wiederanfahren der Aufnahme einen häßlichen Klicker auf dem Band. Das kann man durch ein geniales Modul „B77 Pause- Memory“ verhindern. Die kleine Zusatzplatine wird nur eingesteckt und läßt sich auch ohne technisches Know How leicht einbauen. Eine ausführliche Einbau Anleitung ist ebenfalls dabei.

Die Monitorplatine mit der neuen Relais-Variante.

Eine ernsthafte Empfehlung zur schmerzfreien B77 Nutzung: Das Modul bekommt man hier: http://www.pievox.de

Eine weiteres Pievox Produkt ersetzt das auf der Monitorplatine der B77 ansässige ITT Relais 26xx Platine 1.177 260 12. Die Bauform des Relais entspricht nicht unbedingt dem Standard, darum ist eine spezielle Anpassung erforderlich.
Ersatz gibt es über die o.a. Adresse. Bei meiner Maschine äußerte sich der Fehler als Wackelkontakt und Aussetzer.

Zum Thema Grundsanierung (Alles muß raus) !

Immer wieder lese ich von total sanierten Bandmaschinen, ausgetauschten Elkos, Potis und kompletten Kondensator- Tauschorgien. Sicherlich verändern elektronische Bauteile im Laufe ihres Lebens ihre elektrischen Werte. Die Frage ist nur, ob es immer sinnvoll ist alles zu tauschen was sich eben tauschen läßt. Nimmt man die Meßwerte einer B77 (zb. meine) so wie sie das Werk einmal verlassen hat, dann sind diese immer noch fantastisch. Und das gilt nicht nür für die ReVox, meine TEAC’s sehen da ebenfalls noch sehr gut aus. Warum also Bauteile tauschen ? Vielleicht weil sich ein solches Maschinchen besser verkaufen läßt.  Ein paar neue Kondensatoren für ein paar Euro, neue Trimmer und der Preis schnellt um einige hundert Euro in die Höhe.

Ferner weiß man dann nicht, ob der Tauscher die technischen Möglichkeiten hat, das Gerät wieder vernünftig einzumessen. Jedenfalls werde ich bei meinen Maschinen nur Reparaturen vornehmen, wenn es zwingend erforderlich ist (von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen). Ich habe eine ReVox von einem Bauteiletauscher gekauft. Alles getauscht, nichts eingestellt oder justiert.

Zum Thema

Nicht ganz Tierfrei. Aber süß !

Merkwürdig auch: Meistens sind es ReVox Geräte die der Austauschwut zum Opfer fallen. Bei TEAC oder AKAI-Maschinen habe ich noch nichts darüber gelesen. Wahrscheinlich hindert hier der nicht ganz so servicefreundliche Aufbau der japanischen Geräte .

Zum Thema „Tierfreier Nichtraucher Haushalt“
Nichtraucher: Ja. Den Maschinen haben meine
Tiere bisher noch nicht geschadet!
(Umgekehrt auch nicht !)



DIE ZWEITE ReVox B77

Sie stand schon länger auf meiner Wunschliste und sollte die letzte Maschine in meiner Sammlung sein. Eine ReVox B77 4 Spur. Leider kamen mir die Preisvorstellungen der Verkäufer in der Auktion nicht gerade entgegen.  Hatte ich für meine MK1 noch etwas bei 200 Euro bezahlt, waren jetzt schon 300 Euro die unterste Grenze. Also musste ich mein Gebot darauf einstellen und ich entschloss mich für maximal 299 Euro.

Um so verwunderter war ich, das die Auktion bei 299 Euro endete und.für mich erfolgreich. Die Maschine war nur 20 km entfernt abholbereit. Der folgende Samstag war Stichtag. Äußerlich war die MK2 in einem guten Zustand. Der positive Eindruck wurde nachhaltig zerstört, als ich die ersten Betriebsversuche startete. Die Wiedergabe war grottenschlecht, der Monitor und die anderen Schalter hatten erhebliche Kontaktprobleme. Was mir noch auffiel war die Bandführung. Verlackt mit einer Lila Tönung, offensichtlich Nagellack. Das hier das Hauptproblem liegen sollte war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Die Bandführung der B77. Niemals verstellen !! Eine Werkstatt wusste es besser.

Nach Reinigung aller Schalter sollte nun die Bandführung…und was noch viel wichtiger war…die Köpfe meine volle Aufmerksamkeit bekommen. Das war auch nötig. Offenbar hatte jemand die Bandführung (warum auch immer) verstellt. Leider kann man das mit Werkstattmitteln nicht wieder richten. Also machte ich mich auf die Suche nach einem Lieferanten, den ich nach einigen erfolglosen Beschaffungsversuchen auch fand.. Ein alter Bekannter, der mich schon öfter mit Ersatzteilen versorgt hatte. Hier bekam ich nicht nur eine jungfräuliche Bandführung, sondern auch noch andere Kleinigkeiten für diese Maschine.
Es zeigte sich nach einigen Messungen das da mehr sein musste als eine verstellte Bandführung. Nach Untersuchung des Kopfträgers war klar, alle sichtbaren Lacksicherungen klebten nur noch an ihren Schrauben. Den Kontakt zum Kopfträger an dem sie die Schraube sichern sollten hatten sie verloren. Nicht eine Lacksicherung war unberührt. Hier hatte jemand ganze Arbeit geleistet. Das wieder zu richten war eine große Aufgabe. An den Messgeräten und Bezugsbändern fehlte es nicht.

Trotzdem, ich war nicht erfolgreich ! Man sollte wissen wann man verloren hat. Dieser Fall war absolut kurios. Jeder Versuch den Wiedergabekopf einzustellen scheiterte. Immer wenn es einigermaßen passen konnte schliff das Band an der Kopfabschirmung. Ein anscheinend nicht lösbares Problem. Lag es doch an der Bandführung ?? Nach 2 Wochen erfolglosem Hin und Her stand mein Entschluss fest. Entweder kommt ein komplett neuer Kopfträger in 4 Spur und wenn das nicht klappt wird die Maschine auf Halbspur umgebaut, natürlich auch mit einem kompletten Träger.

So sei es. Mein Freund hatte noch einen 2 Spur Träger „da liegen“. Die Oszillatorplatine bestellte ich bei meinem erprobten Ersatzteil Lieferanten und schon konnte es los gehen. Nach Austausch der doch schon sehr angeschlagenen Potis konnte ich mit dem Einmessen der Maschine beginnen. Und siehe da, alle Werte wurden problemlos erreicht. Alles war stimmig und sauber.Die MK2 fand den Weg in mein Studio, wo sie heute als 2 Spurer ihren Dienst verrichtet. Einen erneuten Umbau auf 4 Spur ( bei passender Gelegenheit) habe ich inzwischen verworfen.

Bleibt die Frage nach der Ursache für dieses Debakel.

Einige Wochen später zerlegte ich den 4 Spur Kopfträger der B77 um die guterhaltenen Köpfe einzulagern. Was ich dann sah verschlug mir die Sprache. Unter dem Wiedergabekopf kam eine 0,5 mm dicke Distanzscheibe zum Vorschein, die warum auch immer, jemand ( wer auch immer) hier zwischengeschraubt hatte. Mir fiel die in der Maschine eingeklebte Reparaturnummer einer unbekannten Werkstatt auf. Das der Vorbesitzer (ein Arzt) hier Hand angelegt haben soll glaube ich eher nicht.

Vermutlich gab es mal Probleme mit der total verhärteten Gummi Andruckrolle. Und statt diese auszutauschen schraubte man in Ermangelung von Fachwissen an der Bandführung, was die „Tonkopfjustage“ nach sich zog. Schöne digitale Welt. Wer sein analoges Schätzchen in eine Werkstatt bringen muß, der schaue sich den Meister an. Alte Kempen können noch Analog !



ReVox B77 ..die Dritte!

Nur die Harten…….

kommen in den Garten. Also versuche ich es nochmal und kaufe im bekannten Internet Auktionshaus, aber auch nur weil 6 Stunden vor Ende der Auktion der Kurs bei 118 Euronen stand, eine B77 4 Spur im Einbaukorb. Diverse Schwächen waren auf den eingestellten Bildern schon zu erkennen. Die üblichen abgebrochenen (bzw. geklebten) Record Schalter. Alles andere sollte ok. sein. Da der Verkäufer das Gerät selbst von einem „Revisor“ für teures Geld gekauft hatte konnte er wohl auch davon ausgehen, daß alles in Ordnung war. Als die Maschine kam fielen auch erst einmal nur die defekten Schalter auf….und die sauberen Platinen mit vielen neuen Elkos und Potis.

Der gemeine Motorkondensator……..trocknet nicht nur – manchmal läuft er auch aus.

Die erste Inbetriebnahme nach Austausch der Schalter zeigte eines dann sehr deutlich: Eingemessen war die Maschine definitiv nicht. Zu unterschiedlich waren die Messwerte schon in den Wiedergabeverstärkern. Von Vormagnetisierung und EQ. einmal ganz zu schweigen. Und sie lief zu schnell, erheblich zu schnell. Nachdem ich diesen Fehler erst einmal korrigiert hatte begann ich mit dem Einmessen. Da das bei der B77 relativ flockig von er Hand geht war die Maschine 2 Tage später bereit für den Testlauf. Mindestens 2x 26er Bänder müssen aufgenommen und wiedergegeben werden und das ohne Mängel. Erst dann bekommt eine Maschine ihren Platz in meiner Sammlung.
Na, das Klavier klingt ziemlich komisch und je weiter sich das Band dem Ende nähert wird es immer schlimmer, bis zum leiern. Bei den kleinen Werkstattbändern ist das gar nicht  aufgefallen. Aber mit den grossen Spulen ein sehr eindeutiges Ergebnis. Ich messe den Andruck der Gummiandruckrolle..1.09 Kg. Zu wenig. Also auf die gewünschten 1,3 Kg eingestellt. Keine Verbesserung. OK. Motorregelung nur mal so zum Testen tauschen. Keine Verbesserung. Trotzdem sehe ich mir die revisionierte Regelplatine einmal genauer an. Mir fallen noch 2 Lötstellen ausser denen am Potentiometer auf. Ein Widerstand 82 KOhm 1% . Ein Blick in den Schaltplan zeigt, da gehört ein 86,6 KOhm rein. Das konnte zwar nicht der Grund für die Gleichlaufprobleme sein aber warum da ein Austausch stattgefunden hatte ? Keine Ahnung.
Das macht wieder diesen blinden Aktionismus deutlich. Erst mal alles tauschen, ob nötig oder nicht. Aber die echten Fehler werden nicht gefunden bzw beseitigt. Eine Revision stelle ich mir anders vor. Leider bezahlen die Kunden solcher „Revisionäre“ völlig überzogene Preise für solch unvollständige, unprofessionelle und auch unnötige Arbeiten.

Da der Kreis der Verdächtigen (die Andruckrolle sei noch erwähnt) bei der B77 stark begrenzt ist, nahm ich die Motorkondensatoren (Wickel 4,3 µF, Capstan 3,5µF) ins Visier. Und da mich mein Lieferant einige Tage hängen ließ, tauschte ich mangels Masse nur den Capstankondensator aus und das Problem war behoben. Die Kondensatoren der Wickelmotoren wurden später ebenfalls getauscht.

Vielleicht waren diese Probleme auch der Grund für den Verkauf. Dem Verkäufer mache ich keinen Vorwurf. Er ist kein Fachmann und hat sich auf die Aussagen des Vorbesitzers verlassen. Ich selber hatte mit dem Zustand des Gerätes kein Problem, das Gerät ist von 1979.  Da muss man einiges abstreichen.
Nun gut, jetzt läuft sie hervorragend, ein Gehäuse ist auch schon eingetroffen, ein Platz im Regal frei gemacht.

Also ReVox B77  Nr. 3. mit 4 Spuren.

Noch ein Tip: (mit einem „p“)

Da es die exakten Werte der verbauten Kondensatoren nicht mehr so häufig gibt, können für den Capstan 4µF und für die Wickelmotoren 5µF verwendet werden. Nach dem Einbau sollte die Geschwindigkeit kontrolliert werden.
(siehe Service Manual B77)