ReVoX

Eher unscheinbar und gut bürgerlich bieder,  so könnte man das Design der ReVox Maschinen A 77+B 77 beschreiben. Im Deutschland der beginnenden 70er Jahre kannte der ambitionierte Tonbandfreund Geräte von GRUNDIG, PHILIPS,  UHER, TELEFUNKEN, seltener SABA oder METZ. Und die Japaner standen erst vor der Tür. Wahrscheinlich wurden die mit ihren für unsere Augen „komischen Geräten“ mit sichtbarer und riesengroßer Gummiandruckrolle und freiliegender Capstanwelle nicht so richtig ernst genommen.

Das sollte sich ändern. Made in Germany war angesagt und fast alle Tonbandgeräte waren Einmotorer. Die Drei- Motoren-Variante kam erst mit ReVoX. Aber die war auch wesentlich teurer als ein handelsübliches Tonbandgerät. Mit ~1200 DM für einen Normalhaushalt eine schöne Stange Geld. Wer soviel für sein Hobby ausgab meinte es ernst. Man konnte erstmals große Bänder auf Spulen mit 26 cm Durchmesser fahren. Bis dahin war die größte Größe 18 cm. Bei Grundig Geräten war schon bei 15 cm Spulendurchmesser Schluß. Warum eigentlich ?

Während japanische Hersteller gefederte Bandführungen und Fühlhebel einsetzten um den Bandzug zu regeln gibt es bei der A 77 nur einen Schlaufenfänger vor dem Bandeinlauf. Sonst nix.

Den Bandzug regelt man bei ReVox (Studer) elektronisch über die Wickelmotore. Das zeigt wie weit Willi Studer anderen Herstellern voraus war. Auch der Capstan Direktantrieb mit einem Außenläufermotor bestätigt das eindrucksvoll. Sogar der Einsatz von Rohwickeln war mit der A77 möglich. Nach leichter Modifizierung (Bandzuganpassung) funktionierte das einwandfrei. Man fand die A77 in Übertragungswagen des Rundfunks und sogar in den Studios.

Bei TEAC gab es zur Zt. der A-77 noch dicke wärmeerzeugende Vorwiderstände vor den Wickelmotoren, um den Bandzug im Griff zu halten. Auch beim Capstanantrieb setzte man noch auf Synchonmotore mit extra Schwungmasse und Riemen. Nicht unbedingt schlechter, aber es zeigt den Vorsprung der Studer Maschinen, die auch eine wesentlich geringere Wärmeentwicklung aufwiesen.

Im Chassisaufbau, den Materialien und der Servicefreundlichkeit waren die ReVox Maschinen ein Vorbild. Steckkartentechnik in der Elektronik, Alu Druckguß beim Laufwerksrahmen. Verwindungssteif und temperaturfest. Die besten Voraussetzungen um in Studios eingesetzt zu werden. Und die A-77 fand den Weg sehr schnell in die professionelle Arbeitswelt.

Wenig bewegte Mechanik (im Prinzip nur 2 Zugmagnete) sorgen bei beiden Maschinen (A+B 77) für zuverlässigen Bandtransport. Viele Baugruppen der A 77 wurden für den Nachfolger B 77 übernommen. Die Bandführungen, Wickelmotore, Bandteller, Zugmagnete und Bremsbänder um nur einige zu nennen, finden sich auch in der B77 wieder.

Den Rest, also die komplette Elektronik entwickelte man neu. Eine elektronisch verriegelte Tastensteuerung, diesmal mit (aber immer noch nicht rastender) Pause Taste, große VU-Meter und eine eingebaute Bandschere. Die technischen Daten waren wie bei Studer gewohnt über jeden Zweifel erhaben. Klar. Eine echte Studer, als Studiovariante mit der Bezeichnung PR99.

Es ist also kein Zufall, das diese Maschinen auch heute noch das Maß der Dinge darstellen, trotz des inzwischen für Elektronikgeräte biblischen Alters von über 40 Jahren.



 ReVox A77 MK IV Vierspur

Chassis und Gehäuse gehören eigentlich nicht zusammen.

Das ist sie. Eine MK IV. Eigentlich gab es nur das Chassis. Ohne Kopfträger mit elektrischem Fehler „zum ausschlachten“. Da ich aber nicht immer das mache was man mir vorschlägt, habe ich sie nicht ausgeschlachtet sondern repariert, mit einem 4 Spur Kopfträger ausgestattet (es war auch mal ein 4-Spurer) diverse Potis, Motorkondensatoren u.a. getauscht, neu eingemessen und mit neuer Front und neuem Gehäuse ausgestattet.

Eine minimalistische Bandmaschine ohne Schnickschnack aber
extrem zuverlässig und professionell.

Immer noch schön anzusehen. Übersichtlicher, servicefreundlicher Aufbau. Das kann man noch reparieren. Keine Wegwerfware! Baujahr 1976

Das unverwechselbare Gesicht der MK IV. Die untere Front der A-77 lässt sich nur bis MK III untereinander tauschen.

Viele Freaks und Sammler stürzen sich bei diesen Maschinen gleich auf Kondensatoren in den Verstärkerstufen und im Netzteil. Man sollte nicht vergessen, daß ein Austausch der Original- Komponenten auch immer ein Einmessen des Gerätes erfordert. Wer die Meßgeräte und Praxis dazu nicht hat sollte diese Arbeiten von einem Fachbetrieb – oder direkt von ReVox ausführen lassen. Die Adressen gibt es auf den ReeltoReel Seiten.



Bisher ist mir noch kein defekter (also lauter) Gleitlagermotor untergekommen, wohl aber mehrere mit Kugellager. Es stellte sich also die Frage, ob man den Motor tauscht oder das Kugellager wechselt. In den Servicemaps von Revox wird das Lager als besonders präzises und spezielles Lager beschrieben mit besonders engen Toleranzen. Verwundert war ich deshalb, als ich ein  Kugellager  der 608- Serie von SKF vorfand. Offen und ohne besondere Kennungen. Auf den SKF Seiten im Internet gibt es Datenblätter. ReVox spricht in den Serviceunterlagen von einem speziellen Lager. Da mir der Fachhandel auch nicht helfen konnte (oder evtl. wollte) habe ich mich für ein Standard 608 Lager entschieden.

Getreu dem Motto „Versuch macht kluch“ habe ich besagtes Lager gegen den gleichen Typ von SKF, diesmal aber in der geschlossenen Ausführung getauscht. Das Ergebnis war positiv. Der Motor läuft wieder leise und leicht. Das kugelgelagerte Motoren ein etwas lauteres Laufgeräusch haben als  solche mit Gleitlager ist normal. Immer wieder werden auf Internetseiten Spezialöle zum schmieren der Gleitlager in den Capstanmotoren angeboten. Hier sei empfohlen: Finger weg. Ein nachölen sieht der Hersteller nicht vor und ist auch nicht erforderlich.

Zum Ausbau und Einbau gibt es ausführliche Anleitung im A77 Service Dokument – und das gibt es zum kostenlosen Download auf den Studerseiten in der Schweiz – übrigens für alle ReVox Maschinen. Kostenlos !!
Sehen Sie sich die Bilder über den Lagertausch an. Kein Geheimnis und nicht sehr speziell. Man sollte nur sorgfältig und sauber arbeiten.

Der zerlegte Motor. Normalerweise ist es nicht erforderlich, den Motor zum Lagertausch auszubauen. Hier nur der Fotos wegen !! Vorsicht beim Ausbau der Capstanwelle. Sie verträgt keine Schläge und rohe Behandlung. Arbeiten Sie genau nach Ausbauvorschrift.

Das alte Lager. Ich habe es im ersten Versuch gründlich gereinigt und mit syntetischem Fett versehen. Der Motor lief damit auch wieder sehr gut. Das neue Lager habe ich eigentlich nur aus Neugier eingebaut. Damit man weiß wie es geht !!

Das geschlossene Lager hatte zu Beginn Anlaufschwierigkeiten. Das verwendete Lagerfett ist wohl etwas dickflüssig. Die Zeit wird zeigen, ob sich das Lager bewährt. Ansonsten wird zurück getauscht.

Der Capstanmotor nach Ausbau der Welle. Sauberkait und Sorgfalt bei der De-und Montage sollten selbstverständlich sein.